"Mit dieser Welt gibt es keine Verständigung;
Wir gehören ihr nur in dem Maße an, wie wir
uns gegen sie auflehnen!"

  • 3rd
  • September
  • 2014
"She Has A Cold, Cold Heart", "Hauke Henkel" & "Kalmen Rossbreiten" European Tour 2014: https://www.facebook.com/events/343394542502598/

10/01. SpecOps, Münster (GER)
10/02. Sign 6, Brussels (BE)
10/03. dB’s, Utrecht (NL) *
10/04. Die Feine Hofgesellschaft, Mönchengladbach (GER)
10/05. Alhambra, Oldenburg (GER)
10/06. Café Kultur, Bremen (GER)
10/07. Loophole, Berlin (GER)
10/08. Tba, Praha, (CZ)
10/09. Mo.ë, Vienna (AT) **
10/10. Frei.Raum, Passau (GER)
10/11. Hegelsburg, Kassel (GER)
10/12. Stilbrvch, Göttingen (GER)

*w/ “Wooden Wand” (USA) & “Lend Me Your Underbelly” (NL)
**w/ “Margaret Unknown” (AT) & “Jorge Espinal” (ARG)

Artwork by Sophie Dvořák!http://www.sophiedvorak.net

"She Has A Cold, Cold Heart", "Hauke Henkel" & "Kalmen Rossbreiten" European Tour 2014: https://www.facebook.com/events/343394542502598/

10/01. SpecOps, Münster (GER)
10/02. Sign 6, Brussels (BE)
10/03. dB’s, Utrecht (NL) *
10/04. Die Feine Hofgesellschaft, Mönchengladbach (GER)
10/05. Alhambra, Oldenburg (GER)
10/06. Café Kultur, Bremen (GER)
10/07. Loophole, Berlin (GER)
10/08. Tba, Praha, (CZ)
10/09. Mo.ë, Vienna (AT) **
10/10. Frei.Raum, Passau (GER)
10/11. Hegelsburg, Kassel (GER)
10/12. Stilbrvch, Göttingen (GER)

*w/ “Wooden Wand” (USA) & “Lend Me Your Underbelly” (NL)
**w/ “Margaret Unknown” (AT) & “Jorge Espinal” (ARG)

Artwork by Sophie Dvořák!
http://www.sophiedvorak.net

  • 1st
  • September
  • 2014
  • 11th
  • August
  • 2014

Frauen und Kinder zuerst.

(…) Disturbing images sind zur Massenware geworden, deren Verbreitung zur Abstumpfung geführt hat, so dass die Medien ihrer Kundschaft immer härteren Stoff servieren müssen, damit diese überhaupt noch ­etwas empfindet. Es gilt die Regel: Frauen und Kinder zuerst. Greise und Behinderte verkaufen sich nämlich nicht so gut. Aber auch für Kinder ist die Spanne der Aufmerksamkeit kurz. Erinnern Sie sich noch an das nach ­einem Giftgasangriff um Luft ringende Kleinkind in Saraqeb? Sieht man davon ab, dass das patriarchale Klischee des Mannes als Beschützer der die Zukunft des Volkes verkörpernden Mütter und Kinder reproduziert wird und heutzutage auch ohne disturbing images jeder wissen sollte, dass Krieg keine klinisch saubere Angelegenheit ist, bleibt die Frage der Auswahl durch die Medien und ihre Nutzer. Kongolesische und somalische Kinder sind derzeit nicht im Angebot, aber wenn Gaza Sie zu langweilen beginnt – in der Zentralafrikanischen Republik sind wieder Journalisten unterwegs. (…)

Jörn Schulz - Was kümmert mich der Dax / Jungle World Nr. 32, Inland

  • 29th
  • Juli
  • 2014

Gott schütze Israel vor seinen Feinden und bewahre es vor seinen “Freunden”.

(…) Was übrig bleibt, sind ein paar verstreute jüdische Gemeinden und ihre Freunde, die sich dagegen wehren und in und gegen eine Umgebung leben, die von Tag zu Tag aggressiver und vor allem direkter mit ihren Drohungen wird, indem sie ihre Schlinge immer enger zieht.
Was übrig bleibt, ist die Entscheidung, einen Schluss- und Trennstrich zu ziehen zwischen denen, die heute (egal aus welchen Gründen) keine praktische Solidarität mit Israel und mit den hier lebenden Jüdinnen und Juden üben und denen, die ohne wenn und aber gegen die für die Jüdischen Gemeinden bedrohlich gewordene Situation vorgehen. Dazwischen gibt es nichts!
Resultat des Holocaust waren drei Ereignisse: Das entscheidende und alles überragende war die Vernichtung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden. Es gab auch 2 weitere Resultate: Der Wiederaufbau des Staates der Täter, der BRD und die Gründung des Staates der Opfer, Israel, des Zufluchtsorts der Opfer. Dieses letztgenannte Resultat ist und bleibt für die Deutschen aller Couleur die einzige, die beständige und ausschlaggebende Grundlage (für diejenigen, die so was brauchen), um ohne gesonderte Begründungsverstärker praktische Solidarität mit dem Zufluchtsort der Opfer und deren Nachkommen zu üben. Dabei ist es völlig egal, welche Politik die jeweilige Israel-Regierung verfolgt.
Es ist inakzeptabel und verwerflich, dass als Begründung für Solidarität mit Israel die Vorzüge der israelischen Gesellschaft - als eine demokratische, liberale und gegenüber Minderheiten tolerante - hervorgehoben werden. Ob die Israelis die richtige oder die falsche Staatsform ausgewählt haben, ob sie die bessere oder schlechtere Einstellung zu Minderheiten haben, spielt in Zusammenhang mit der Haltung zu diesem Staat absolut keine Rolle, es darf keine Rolle spielen. (…)

Café Morgenland / Frankfurt am Main, den 12.04.2002

  • 27th
  • Juli
  • 2014

Allein unter Deutschen.

(…) Es gibt diejenigen, die nie im Leben nach Deutschland reisen würden, weil sie denken, dort sind alle Nazis. Und dann diejenigen, die davon träumen, nach Berlin zu ziehen. Von denen fragen mich viele, was ich davon halte. (…) Ich rate ihnen ab. Ich sage: Geht nicht nach Berlin, außer ihr steht darauf, an einem Ort zu leben, an dem man denkt, Israel sei das schlimmste Land der Welt. Dann geht ruhig nach Berlin. (…)

- Tuvia Tenenbom

Ingo Way / Jüdische Allgemeine - Bleibt lieber in Israel!, 24.07.2014

  • 9th
  • Juli
  • 2014
Hamas feuert Raketen auf Jerusalem ab.Es sind die heftigsten Kämpfe seit 2012. Militante Palästinenser feuern Raketen auf Jerusalem und Tel Aviv ab. Israels Ministerpräsident Netanjahu lässt Vorbereitungen für eine Bodenoffensive treffen.
Im eskalierten Nahost-Konflikt hat die Hamas erstmals seit langem Tel Aviv, Jerusalem und andere israelische Großstädte mit Raketen beschossen. Nach israelischen Angaben schlug am Dienstagabend mindestens eine von radikalen Palästinensern aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete in einem Haus in Jerusalem ein. Dabei sei niemand verletzt worden, hieß es auf israelischer Seite. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Armee an, auch Vorbereitungen für eine Bodenoffensive im Gazastreifen zu treffen.
Insgesamt wurden nach israelischen Angaben am Abend in kurzer Folge etwa 40 Raketen mit größerer Reichweite abgefeuert. Auch in Ortschaften nördlich der Küstenmetropole Tel Aviv heulten die Sirenen. Die beiden wichtigsten israelischen Städte waren zuletzt im November 2012 mit Raketen angegriffen worden. Die Hamas bekannte sich am Dienstagabend zu Angriffen auf die Städte Haifa, Tel Aviv, Jerusalem und Aschdod.
Bei einer israelischen Offensive im Gazastreifen und einem Angriff militanter Palästinenser in Israel waren zuvor am Dienstag mindestens 21 Menschen getötet worden. Mehr als 100 Menschen wurden binnen weniger Stunden verletzt.
USA verurteilen Angriffe der Palästinenser.
Unter zehn getöteten Zivilisten seien auch fünf Kinder, teilte der Sprecher der Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, am Dienstag in Gaza mit. Die restlichen sechs Getöteten seien Kämpfer der Gruppierungen Hamas und Islamischer Dschihad gewesen. Der bewaffnete Arm der Hamas kündigte eine “überraschende Ausweitung unserer Attacken” an.
Die USA verurteilten die Raketenangriffe militanter Palästinenser. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, sagte US-Regierungssprecher Josh Earnest am Dienstag. Earnest zeigte sich zugleich besorgt über die Sicherheit von Zivilisten auf beiden Seiten.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die Konfliktparteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf. Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten mache ihn sehr besorgt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer militärischen Konfrontation, die völlig außer Kontrolle geraten könnte.
Israel mobilisiert Reserveoffiziere.
Auslöser der jüngsten Runde der Gewalt waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern am 12. Juni sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen in der vergangenen Woche. Israel ist seit der Entführung massiv gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vorgegangen und hat Hunderte Mitglieder der Organisation festgenommen.
Nach Angaben des israelischen Militärsprechers Arye Shalicar hat die Armee die Mobilisierung von bis zu 40.000 Reservesoldaten bewilligt. Ministerpräsident Netanjahu kündigte an, im Kampf gegen die Hamas sei es an der Zeit, “die Samthandschuhe auszuziehen”.
Israel will mit der Operation “Zuk Eitan” (Fels in der Brandung) den ständigen Raketenbeschuss seiner Ortschaften unterbinden. Die israelische Armee teilte am Nachmittag mit, bislang habe die Luftwaffe 150 “Terror-Ziele” im Gazastreifen angegriffen. Nach palästinensischen Angaben wurden auch ranghohe Hamas-Aktivisten getötet, darunter der Marinekommandeur Raschid Jassin. Seit Beginn der israelischen Luftoffensive seien von palästinensischer Seite etwa 130 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert worden.
Angriff auf israelische Militärbasis.
Bei einem Angriff auf eine israelische Militärbasis nördlich des Gazastreifens wurden am Abend fünf militante Palästinenser getötet. Der israelische Rundfunk meldete, ein Soldat sei bei Schusswechseln leicht verletzt worden. Die Palästinenser seien offenbar von der See aus gekommen und hätten versucht, in die Basis Zikim einzudringen. Der bewaffnete Arm der Hamas habe sich zu der Tat bekannt.
Auswirkungen des Konflikts bekamen auch 2700 Passagiere und Besatzungsmitglieder des deutschen Kreuzfahrtschiffes “Aida Diva” zu spüren. Beim Auslaufen aus dem israelischen Hafen von Aschdod etwa 30 Kilometer nördlich des Gazastreifens fielen am Montagabend Raketensplitter auf das Deck. Die Kreuzfahrtreederei will bis auf weiteres israelische Häfen meiden.
Die Hamas hatte bereits am Montagabend Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Zahlreiche Raketen seien vom Abwehrsystem “Iron Dome” abgefangen worden. Insgesamt verfügt Hamas nach israelischen Angaben über etwa 10.000 Raketen mit Reichweiten bis etwas nördlich von Tel Aviv.
Dpa / Die Welt - Hamas feuert Raketen auf Jerusalem ab / Nahost-Konflikt, 08.07.2014

Hamas feuert Raketen auf Jerusalem ab.

Es sind die heftigsten Kämpfe seit 2012. Militante Palästinenser feuern Raketen auf Jerusalem und Tel Aviv ab. Israels Ministerpräsident Netanjahu lässt Vorbereitungen für eine Bodenoffensive treffen.
Im eskalierten Nahost-Konflikt hat die Hamas erstmals seit langem Tel Aviv, Jerusalem und andere israelische Großstädte mit Raketen beschossen. Nach israelischen Angaben schlug am Dienstagabend mindestens eine von radikalen Palästinensern aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete in einem Haus in Jerusalem ein. Dabei sei niemand verletzt worden, hieß es auf israelischer Seite. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Armee an, auch Vorbereitungen für eine Bodenoffensive im Gazastreifen zu treffen. Insgesamt wurden nach israelischen Angaben am Abend in kurzer Folge etwa 40 Raketen mit größerer Reichweite abgefeuert. Auch in Ortschaften nördlich der Küstenmetropole Tel Aviv heulten die Sirenen. Die beiden wichtigsten israelischen Städte waren zuletzt im November 2012 mit Raketen angegriffen worden. Die Hamas bekannte sich am Dienstagabend zu Angriffen auf die Städte Haifa, Tel Aviv, Jerusalem und Aschdod.
Bei einer israelischen Offensive im Gazastreifen und einem Angriff militanter Palästinenser in Israel waren zuvor am Dienstag mindestens 21 Menschen getötet worden. Mehr als 100 Menschen wurden binnen weniger Stunden verletzt.

USA verurteilen Angriffe der Palästinenser.

Unter zehn getöteten Zivilisten seien auch fünf Kinder, teilte der Sprecher der Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, am Dienstag in Gaza mit. Die restlichen sechs Getöteten seien Kämpfer der Gruppierungen Hamas und Islamischer Dschihad gewesen. Der bewaffnete Arm der Hamas kündigte eine “überraschende Ausweitung unserer Attacken” an.
Die USA verurteilten die Raketenangriffe militanter Palästinenser. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung, sagte US-Regierungssprecher Josh Earnest am Dienstag. Earnest zeigte sich zugleich besorgt über die Sicherheit von Zivilisten auf beiden Seiten.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte die Konfliktparteien zu größtmöglicher Zurückhaltung auf. Die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten mache ihn sehr besorgt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer militärischen Konfrontation, die völlig außer Kontrolle geraten könnte.

Israel mobilisiert Reserveoffiziere.

Auslöser der jüngsten Runde der Gewalt waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern am 12. Juni sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen in der vergangenen Woche. Israel ist seit der Entführung massiv gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vorgegangen und hat Hunderte Mitglieder der Organisation festgenommen.
Nach Angaben des israelischen Militärsprechers Arye Shalicar hat die Armee die Mobilisierung von bis zu 40.000 Reservesoldaten bewilligt. Ministerpräsident Netanjahu kündigte an, im Kampf gegen die Hamas sei es an der Zeit, “die Samthandschuhe auszuziehen”.
Israel will mit der Operation “Zuk Eitan” (Fels in der Brandung) den ständigen Raketenbeschuss seiner Ortschaften unterbinden. Die israelische Armee teilte am Nachmittag mit, bislang habe die Luftwaffe 150 “Terror-Ziele” im Gazastreifen angegriffen. Nach palästinensischen Angaben wurden auch ranghohe Hamas-Aktivisten getötet, darunter der Marinekommandeur Raschid Jassin. Seit Beginn der israelischen Luftoffensive seien von palästinensischer Seite etwa 130 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert worden.

Angriff auf israelische Militärbasis.

Bei einem Angriff auf eine israelische Militärbasis nördlich des Gazastreifens wurden am Abend fünf militante Palästinenser getötet. Der israelische Rundfunk meldete, ein Soldat sei bei Schusswechseln leicht verletzt worden. Die Palästinenser seien offenbar von der See aus gekommen und hätten versucht, in die Basis Zikim einzudringen. Der bewaffnete Arm der Hamas habe sich zu der Tat bekannt.
Auswirkungen des Konflikts bekamen auch 2700 Passagiere und Besatzungsmitglieder des deutschen Kreuzfahrtschiffes “Aida Diva” zu spüren. Beim Auslaufen aus dem israelischen Hafen von Aschdod etwa 30 Kilometer nördlich des Gazastreifens fielen am Montagabend Raketensplitter auf das Deck. Die Kreuzfahrtreederei will bis auf weiteres israelische Häfen meiden.
Die Hamas hatte bereits am Montagabend Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Zahlreiche Raketen seien vom Abwehrsystem “Iron Dome” abgefangen worden. Insgesamt verfügt Hamas nach israelischen Angaben über etwa 10.000 Raketen mit Reichweiten bis etwas nördlich von Tel Aviv.

Dpa / Die Welt - Hamas feuert Raketen auf Jerusalem ab / Nahost-Konflikt, 08.07.2014

  • 7th
  • Juli
  • 2014

Unser hochgepriesenes “Internet-Zeitalter” bewirkt rein gar nichts! Heute in Kreuzberg, vor den Toren des schon seit Längerem zum Kampfgebiet erklärten Görlitzer-Parks, tobt die Staatsgewalt! Nach der Anti-Räumungs-Demo der Hauptmann-Schule, begeben sich viele der Teilnehmer in die Grünanlage, wo die Situation eskaliert. Man kann in diversen Videos, welche nur Sekunden danach in den einschlägigen sozialen Netzwerken kursieren, alles bis ins kleinste Detail nachverfolgen und überprüfen - und es handelt sich hierbei nicht um ein zusammengeschustertes Verschwörungsvideo mit theatralisch untermalter Musik, sondern um Bilder, wie sie objektiver nicht sein könnten und sich auch aus keinem Kontext herausreißen ließen, der die gezeigte Gewalt auch nur im Ansatz relativieren könnte -, trotzdem wird sich dadurch wieder einmal gar nichts ändern. Wieder einmal wird es mit großer Wahrscheinlichkeit keine klare Einsicht der zuständigen Behörden geben, keine Änderungen in der Politik und wohl auch kaum Eingeständnisse in der persönlichen Orientierung von nicht direkt involvierten Schaulustigen aus dem Kommentarspalten-Milieu. Die “Generalproben” gab’ es bereits alle: ob nun ein nackter und sichtlich verwirrter Mensch mitten in Berlin quasi live (sic!) von der Polizei getötet, oder ein ganzer Demonstrationszug, welcher für ein Bleiberecht der Lampedusa-Geflüchteten in Hamburg demonstriert, ohne Grund von mehreren Hundertschaften verprügelt wird; es bleibt nicht alles weiterhin nur beim ohnmächtigen und gewissenlosen Zuschauen, sondern es ist noch viel schlimmer: wobei die eigene Gewissheit durch die Transparenz die man auf “YouTube” und Co. dargeboten bekommt, nur als Verstärker der eigenen Ohnmacht dient und das Erlangen einer neuen Freiheit durch die Aneignung der neuen Medien zur Überwindung der räumlichen Distanzen gleichzeitig vollkommen ohne äußeres Zutun eingedämmt wird.
Was könnte einem mehr Angst bereiten als das?

  • 3rd
  • Juli
  • 2014
  • 1st
  • Juli
  • 2014

Hashtags alleine retten keine Entführungsopfer.

Die Terrororganisation Boko Haram entführt Kinder vor den Augen ihrer Eltern, sie verschleppt Mädchen aus Schulen, sie treibt ganze Dorfgemeinschaften zusammen und ermordet sie. Sie hat keine Empathie mit ihren Opfern. Ihre islamistischen Mitglieder wähnen sich ihrem Gott nie näher als in den Momenten, in denen sie die Kehle eines “Ungläubigen” aufschlitzen. Vor knapp zwei Monaten entführte Boko Haram über 200 Schülerinnen, weil sie es als Verbrechen ansieht, dass Mädchen Bildung erhalten. Nach dieser Entführung nahm die Welt zum ersten Mal Notiz von diesen Terroristen, die in Nigeria seit Jahren morden und vergewaltigen. Sofort kam es unter dem Hashtag #BringBackOurGirls zu einer Solidarisierungswelle mit den Kindern. Sogar Michelle Obama postete ein Foto von sich, wie sie diesen Hashtag mit flehendem Blick in die Kamera hält. Vermutlich kann man Gotteskriegern, die sich in einem apokalyptischen Kampf gegen den Westen sehen, keine größere Genugtuung bereiten, als eine bettelnde First Lady. Und mehr hat die Hashtag-Kampagne auch nicht gebracht, außer dieser Wichsvorlage für eine Armee aus nigerianischen Breiviks.
Vor zwei Wochen nun wurden drei israelische Teenager von Hamas-Aktivisten entführt. Um auf diese Entführung aufmerksam zu machen, setzte sich der Hashtag #BringBackOurBoys durch. Auch deutsche Medien griffen die Entführung und den Hashtag auf, um beides zu relativieren. Die Entführung spiele Benjamin Netanjahu in die Hände, die israelische Armee nutze die Gunst der Stunde, um gegen die Palästinenser vorzugehen und überhaupt hätte die Hamas mit so einer Entführung doch gar nichts zu gewinnen (es wäre wohl zu viel verlangt, wenn man ausgerechnet in Deutschland wüsste, dass Antisemitismus kein sonderlich rationaler Antrieb ist.) Kurzum: Das Maß an Empathielosigkeit war beeindruckend, aber nicht wirklich überraschend. Viel mehr erstaunt hat, mit was für einer Wut der Hashtag #BringBackOurBoys kritisiert wird. Die ZEIT beispielsweise musste in dem ausführlichen Artikel “BringBackOurBoys lenkt nur ab” unbedingt erläutern, warum diese Kampagne nicht mit #BringBackOurGirls verglichen werden darf. Der Hauptvorwurf lautet: “Die israelische Armee deutet mit dem Slogan #bringbackourboys die größte Militäroffensive seit Jahren zur Befreiungsaktion um.”
Solche Artikel sagen über zwei Dinge alles aus. Zum einen darüber, mit was für einer Herzenskälte auf Tragödien reagiert wird, die dem “engen Freund” Israel widerfahren. Zum anderen aber auch, wie egal deutschen Journalisten die entführten Mädchen in Nigeria sind. Man berichtet zwar gerührt von dieser blitzsauberen PR-Kampagne, als deren Gesicht sich die First Lady zur Verfügung stellt, aber schmutzig machen will man sich trotzdem nicht. Wenn der Hashtag #BringBackOurGirls die Boko Haram-Terroristen nicht in die Knie zwingt, dann halt nicht. Mehr kann und will man nicht versuchen. Der eigentliche Skandal und Unterschied zwischen diesen beiden Hashtag-Kampagnen ist doch, dass in Israel tatsächlich versucht wird, die Jugendlichen zu finden, während für die Schulmädchen aus Nigeria keine “größte Militäroffensive seit Jahren” durchgeführt wird. Ein griffiger Hashtag befreit keine Menschen, das muss dann doch noch in der realen Welt passieren. In dieser schmutzigen Realität jenseits von retweeten, liken und posten. Also da, wo Israel gerade trotz internationaler Kritik drei Jugendliche sucht, die von einer Terrororganisation entführt wurden bzw. da, wo gerade Hunderte traumatisierte Mädchen von einer Terrororganisation entführt wurden, nach denen unter großer öffentlicher Anteilnahme niemand sucht.

Gideon Böss - Hashtags alleine retten keine Entführungsopfer / Böss in Berlin, 29.06.2014